Wenn nah nicht
nah genug ist

Myopie – Kurzsichtigkeit ist kein Schicksal

Bei Kurzsichtigkeit oder Myopie (griechisch für Blinzelsucht) sieht man Gegenstände in der Ferne unschärfer als solche, die sich in der Nähe befinden. Das Auge entspricht einer kleinen Kamera, die auf der Innenseite ein Bild entwirft. Wenn die Lichtstrahlen durch die Brechkraft der Hornhaut und der Linse genau auf der Netzhaut gebündelt werden, entsteht ein scharfes Bild. Ist man kurzsichtig, ist das Verhältnis der Länge des Augapfels und der Brechkraft von Linse und Hornhaut in einem Missverhältnis, sodass das gebündelte Licht vor der Netzhaut auftrifft. Dadurch, dass man die Augen zusammenzwickt oder blinzelt, kann Sehschärfe gewonnen werden – daher auch der Name Blinzelsucht.

Sie sind vermutlich kurzsichtig, wenn...

  • Ihnen auffällt, dass Sie bei Dämmerlicht in die Ferne schlechter sehen.
  • ein Gegenstand unschärfer erscheint, je weiter er weg ist.
  • Ihnen das Lesen von Straßenschildern und Hausnummern Probleme bereitet.
  • Sie Personen und Gesichter nicht auf Anhieb erkennen.
  • Sie öfter Kopfweh haben, wenn Sie länger Tätigkeiten ausführen, bei denen Sie sich auf Dinge in der Ferne konzentrieren müssen (z.B. Autofahren).

Dann sollte Sie Ihr erster Weg zum Augenarzt führen, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Wird eine Kurzsichtigkeit festgestellt, wird ein Sehtest gemacht, der in mehreren Schritten abläuft.

Auf beiden Augen wird getrennt mit Sehtafeln eine Sehschärfeprüfung durchgeführt, sowohl das Sehvermögen auf die Nähe als auch das auf die Ferne wird geprüft. Der nächste Schritt ist eine objektive Refraktionsbestimmung, dabei wird meist per Computer ein Testbild auf die Netzhaut projeziert und ermittelt, wie weit die Brechkraft vom idealen Punkt abweicht. Dieser Messwert wird in Dioptrien festgelegt. Davon ausgehend nimmt der Optiker oder Augenarzt die subjektive Refraktionsbestimmung vor. Dabei werden Ihnen mit Blick auf die Sehprobentafeln unterschiedliche Linsen vor die Augen gehalten, um den besten individuellen Seheindruck zu ermitteln.

Was sind die Gründe für Kurzsichtigkeit?

Am Ende des Kindergartens sind Kinder meist noch normalsichtig. Die häufigste Form der Schulmyopie – sie betrifft 90 % der Kurzsichtigen – tritt schon bald nach dem Einschulungsalter von 8 Jahren bis 15 Jahren auf. Studien haben ergeben, dass die Anzahl der kurzsichtigen Kinder unter denen, die sich viel im Freien aufhalten, signifikant geringer ist. Kurzsichtigkeit hängt mit dem Ausbildungsstand zusammen. In asiatischen Ländern ist, genetisch bedingt und mit den früher beginnenden und strengen Bildungssystemen, die Kurzsichtigkeitsrate bei Schulabschluss 90 %.
Kein Wunder also, dass die sprichwörtliche Leseratte oft als Brillenträger dargestellt wird. Die Schulmyopie führt im Erwachsenenalter zu Refraktionswerten von -3 bis -6 Dioptrien. Je früher diese Fehlsichtigkeit auftritt, desto höher sind für gewöhnlich die Endwerte.
Es gibt auch eine genetische Komponente: Die Wahrscheinlichkeit, kurzsichtig zu werden, ist sehr hoch, wenn die Eltern es sind.

Lässt sich Kurzsichtigkeit vermeiden?

Der größte Anteil der Fälle von Myopie in den Industriestaaten ist umweltbedingt und beruht auf den Seherfahrungen, die ein Längenwachstum des Augapfels verursachen. Der Prozentsatz der Kurzsichtigen ist in allen Bevölkerungsschichten mit zunehmender Nutzung von Smartphones und Tablets stark im Steigen. Forscher sehen den Grund weniger in der Blaulichtbelastung, als im geringen Leseabstand von etwa 30 cm und den fehlenden Lesepausen. Vermeiden kann man diese Fehlsichtigkeit also am besten durch häufigen Aufenthalt im Freien – für Kinder werden zwei Stunden empfohlen – und beim Lesen ausreichende Umgebungshelligkeit, größerer Leseabstand, Leseunterbrechungen und ein großer Bildschirm, der eine Betrachtung aus 50 cm erleichtert. Ist die Kurzsichtigkeit manifest, d.h. der Augapfel zu lang, kann das nicht mehr rückgängig gemacht werden. In den meisten Fällen nimmt diese bis zum 20. Lebensjahr zu und stagniert dann.

Einen Vorteil haben Betroffene jedoch: Beginnt beim normalen Alterungsprozess bei Normal- und Weitsichtigen die Alterssichtigkeit (Presbyopie) sich recht bald störend auszuwirken, gleichen sich die beiden Fehlsichtigkeiten ganz oder zumindest teilweise aus. Menschen mit Myopie brauchen keine oder erst spät eine Lesebrille.

Scharfes Sehen ist machbar

Wenn Ihre Sehschärfeneinschränkung bestimmt ist, haben Sie mehrere Möglichkeiten Ihren Scharfblick in die Ferne wiederherzustellen.

  • Brillen sind flexibel, praktisch und ein modisches Accessoire. Sie schützen die Augen vor Zugluft, Staub und Insekten. Sie sind bei Erkältungen, Infektionen der Augen und bei Allergien wie Heuschnupfen problemlos zu tragen.
  • Kontaktlinsen erlauben auch aus den Augenwinkeln scharfe Sicht. Hornhautverkrümmung lässt sich mit Ihnen korrigieren. Beim Sport garantieren sie Bewegungsfreiheit und beim Ausgehen natürliches Aussehen.
  • Operative Korrekturen machen erst Sinn, wenn das Wachstum des Augapfels beendet ist. Trotz Korrektur bleibt dieser zu lang. Das bedeutet der Operierte ist kurzsichtig, braucht aber keine Brille oder Kontaktlinse. Der regelmäßige Besuch beim Augenarzt ist aber dennoch obligatorisch. Die Laserbehandlung von Alterssichtigkeit wird momentan noch erforscht und scheint noch nicht ausgereift.
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